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Naturschutzgebiet „Gehspitzweiher“ wird 35 - seltene Arten heimisch

Foto vom NSG Gehspitzweiher
28.11.2016 - Pressemitteilung
An diesem Donnerstag jährt sich die Ausweisung des Naturschutzgebietes (NSG) „Gehspitzweiher bei Neu-Isenburg“ zum 35. Mal: Am 1. Dezember 1981 trat die diesbezügliche Verordnung des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt in Kraft. Die einstige Kiesgrube der Baufirma Holzmann ist heute eines der Wichtigsten seiner Art im Kreis Offenbach – und doch ist es in seinem Bestand in Teilen immer noch gefährdet.

Das rund 25 Hektar große Gebiet war im 18. Jahrhundert eine Grube zur Ausbeutung von Lehmablagerungen, danach bis in die 1930er/40er Jahre von Sanden und Kiesen. Vor der Unterschutzstellung wurde der Gehspitzweiher zeitweise als Badesee genutzt. Danach gab es Überlegungen der Stadt Frankfurt, die Grube mit Abfällen zu verfüllen - der Gehspitzweiher befindet sich im Besitz der Stadt Frankfurt, obwohl er auf Neu-Isenburger Gemarkung liegt.

Bereits seit 1972 führte der Arbeitskreis „Rodgau-Dreieich“ der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in dem Gebiet Erhebungen durch; 1977 beantragte die Ortsgruppe dann unter der Federführung von Ernst Böhm die Unterschutzstellung des „Gehspitzweihers“. Bis heute ist der 83-Jährige als ehrenamtlicher Naturschützer in dem Gebiet beinahe täglich vor Ort. Das Gebiet im Ballungsraum des Rhein-Main-Gebiets zu schützen, ist eine Herkules-Aufgabe.

Von Anfang an zogen sich Störungen wie ein roter Faden durch die Geschichte des Naturschutzgebiets: Gab es in den 80er Jahren im Winter Probleme mit Eishockeyspielern und Schlittschuhläufern, wurde über die Jahre in dem Gebiet immer wieder illegal geangelt. In jüngerer Zeit häufen sich Probleme mit Vandalismus sowie Störungen der Tier- und Pflanzenwelt durch Hundehalter, abseitige Spaziergänger und „Wassersportler“. Die warmen Temperaturen locken im Sommer regelmäßig viele Freizeit-Besucher an. Zwischen der HGON, der Stadt Neu-Isenburg und dem Forstamt Langen finden deshalb Gespräche statt.

Das Gebiet bietet Besuchern einen Rundweg, der an drei Beobachtungsstellen um die Wasserfläche vorbei führt. Über 150 verschiedene Vogelarten sind heute am Gehspitzweiher zu finden – unter anderem Eisvogel, Fischadler, Zwerg- und Haubentaucher sowie etwa 25 Libellen-Arten - unter ihnen die „Zierliche Moosjungfer“, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU eine streng zu schützende Art ist.. Außerdem hat Ernst Böhm im NSG bereits Silberreiher, Seeadler und Lachmöwen beobachtet – teils seltene und bedrohte Arten. Höhepunkt war jedoch vor zwei Jahren die Sichtung der hoch seltenen Lachseeschwalbe – diese war dort seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet worden. Hinzu kommen Amphibien-Arten wie Frösche, Kröten und Molche. Darüber hinaus wurden in dem NSG bislang rund 250 Pflanzenarten festgestellt.

Zuständig für die Betreuung und Pflege des Gebietes ist - im Auftrag des RP Darmstadt - das Forstamt Langen. Der Pflegeplan sieht zum Beispiel die Rodung und Freihaltung bestimmter Freiflächen vor, das Entfernen von standortfremden Gehölzen und Pflanzen, die Wiederansiedlung gefährdeter Fischarten und regelmäßiges Entfernen von Gehölz-Jungwuchs. Zusätzlich kümmern sich die Mitglieder der HGON durch regelmäßige Kontrollgänge - vor allem an den Wochenenden - um das Gebiet. Das RP beabsichtigt, demnächst am Eingang zum Gebiet neue Gebots- und Hinweistafeln aufzustellen – etwa, um auf den Leinenzwang für Hunde hinzuweisen.

Für das NSG Gehspitzweiher gilt ein generelles Betretungsverbot außerhalb zugelassener Wege. Auch Lagerfeuer, Picknick oder Zelten ist nicht erlaubt, um Störungen der Tierwelt und damit der biologische Vielfalt zu vermeiden. So gibt es immer wieder Brutverluste, etwa durch tobende Hunde am Ufer. Sogar auf der Insel im See hat Ernst Böhm das Gelege eines Flugregenpfeiffers bereits zerstört vorgefunden, die Eier zertreten – für ihn ein Bild des Schreckens.

„Vielen Menschen ist nicht bewusst, was im NSG erlaubt ist und was nicht“, vermutet Ernst Böhm. Mancher reagiere auf Hinweise renitent oder gar aggressiv. Dabei geht es den Naturfreunden nicht darum, die Schätze des Gebiets zu verbergen. So wird auf den neuen Tafeln auch darauf hingewiesen, von wo aus die Besucher die besten Ausblicke haben. Die geplanten Hinweistafeln mit Piktogrammen sollen die bisherigen, gängigen NSG-Schilder ergänzen.

Fotos: Bilder aus dem Naturschutzgebiet „Gehspitzweiher" (Quelle: Stadt Neu-Isenburg)


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