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Altlast Fa. Vogt in Schlüchtern: Ein Schritt in die Zukunft

Bild einer Grundwassersanierungsanlage
27.03.2017 - Pressemitteilung
Für weitere Erkundungs- und Untersuchungsmaßnahmen im Bereich der ehem. Maschinenbaufirma Vogt in Schlüchtern wird das Land Hessen in diesem Jahr bis zu 200.000 Euro bereit stellen. Dies ist ein weiterer Schritt in eine bessere Zukunft, so das Regierungspräsidium Darmstadt.

Wie die Behörde weiter erläutert, läuft auf dem Gelände der Altlast Vogt seit dem Jahre 2012 eine Grundwassersanierungsmaßnahme, die vom Regierungspräsidium unter Mitarbeit der von diesem beauftragten HIM GmbH und den Sachverständigen des Gutachterbüros GeoConsult aus Büdingen betreut wird. In der aktuell vorgesehenen Bearbeitungsphase sollen nunmehr erhebliche weitere technische und finanzielle Anstrengungen unternommen werden, um die Sanierung evtl. abschließen zu können; zumindest soll diese wesentlich beschleunigt werden.

Für die Zukunft soll auch eine Nutzung bzw. Vermarktung des zurzeit herrenlosen Grundstückes ermöglicht werden. Schließlich liegt das Grundstück verkehrsgünstig. Es hat daher in der Vergangenheit auch immer wieder Anfragen und Verhandlungen bezüglich eines Grundstückskaufs gegeben. Eine Investition ist dann aber regelmässig an den finanziellen Aufwendungen und den sich aus den Sanierungsmaßnahmen ergebenden Unsicherheiten gescheitert. Dies soll sich jetzt ändern. Es ist ein erklärtes Ziel des Landes Hessen, statt auf der grünen Wiese zu bauen früher industriell genutzte Standorte zu reaktivieren.

Der erste Schritt der Untersuchungen wird bereits diesen Sommer umgesetzt. Es soll zunächst anhand von bis zu 100 Bohrungen festgestellt werden, wo genau sich noch erhebliche Grundwasser- und Bodenluftbelastungen befinden. Die Bohrarbeiten erfolgen überwiegend innerhalb des Werksgeländes, so dass der öffentliche Verkehr bzw. die Anwohner dadurch nicht beeinträchtigt werden. Eine Reihe von Bohrungen werden jedoch entlang des Straßenrandes des Höbäckerweges erfolgen müssen, so dass es durch die hierzu erforderliche halbseitige Straßeneinengung zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen kann. Die unmittelbar betroffenen Anwohner werden frühzeitig über den genauen Zeitpunkt der Arbeiten in Kenntnis gesetzt.

Sofern erforderlich sollen im geplanten zweiten Schritt noch weitere Bohrungen zur Eingrenzung und genaueren Erkundung vorhandener Bodenbelastungen durchgeführt werden. Auf Basis der Ergebnisse wird dann von den beteiligten Experten entschieden, welche Maßnahmen möglich sind, die die bisherigen Grundwassersanierungsarbeiten unterstützen und so zu einem schnellen Abschluss bringen (z.B. Bodensanierungsarbeiten). „Besser wäre es natürlich“, so das Regierungspräsidium Darmstadt, „wenn kein erhebliches Schadstoffinventar mehr festgestellt würde. Dann könnten die Sanierungs-arbeiten nämlich vollständig eingestellt werden.“ Flankierend zur Einstellung wären gegebenenfalls noch längerfristige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Mit diesen wäre sicherzustellen, dass sich die vorhandenen restlichen Belastungen nicht räumlich erweitern bzw. nicht erheblich in ihren Konzentrationen zunehmen.

Hintergrund:
Im Werksbereich der ehemaligen Fa. Vogt in Schlüchtern liegen Grundwasser-, Boden- und Bodenluftbelastungen mit Leichtflüchtigen Halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) vor. Bei der Fa. Vogt handelte es sich um ein Maschinenbauunternehmen, welches seit 1735 existierte, in Schlüchtern seit ca. 1960 ansässig war und Ende 2001 Konkurs anmeldete. Seitdem ist das Grundstück ungenutzt. An der Produktionsstätte wurden Fräs- und Bohr- sowie Lackierarbeiten durchgeführt. Die LHKW wurden zwischen ca. 1968 und 1987 zur Entfettung der Werkstücke eingesetzt.

Belastungen des Grundwassers, des Bodens- und der Bodenluft mit diesen LHKW wurden erstmalig 1986 erkannt und daraufhin in mehreren Phasen erkundet. Die Hauptschadens- bzw. Eintragsbereiche der LHKW konnten dabei nur zum Teil ermittelt werden. Erste Sanierungsarbeiten erfolgten ab 1990, zunächst in Regie des Unternehmens, später unter der Regie des Konkursverwalters. Hierbei wurden in Teilbereichen des Grundstückes die Bodenluft und Grundwasser mittels Absaugpegeln und Brunnen gefördert und in Sanierungsanlagen abgereinigt. Die Sanierungsarbeiten mussten jedoch 2004 abgebrochen werden, da keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung standen.

Um die Bearbeitung des Umweltschadens voranzutreiben wurde die technische Bearbeitung vom Regierungspräsidium Darmstadt im Jahr 2010 an die HIM GmbH (Biebesheim) übertragen. Die HIM GmbH, Bereich Altlastensanierung - HIM-ASG -, als Träger der Altlastensanierung in Hessen, hat daraufhin zunächst die am Standort vorliegende Grundwasserbelastung ergänzend untersucht und bewertet.

Es zeigte sich, dass die Grundwasserbelastungen bis über die Werksgrenze hinausreichen. Aufgrund der im Grundwasser festgestellten LHKW-Konzentrationshöhen war immer noch ein Handlungsbedarf gegeben, d.h. die abgebrochenen Grundwassersanierungsarbeiten mussten wieder aufgenommen werden. Dazu wurden neue Brunnen und Sanierungsanlagen am Standort errichtet; diese werden seit 2012 betrieben. Ein abschließender Sanierungserfolg ist jedoch noch nicht gegeben.

Das Regierungspräsidium Darmstadt hat parallel dazu den Grundstückswert feststellen lassen und versucht in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen das Grundstück einer neuen Nutzung zuzuführen. Dies ist jedoch bisher insbesondere wegen der noch immer vorhandenen Altlasten auf dem Grundstück gescheitert.

Bild: Grundwassersanierungsanlage


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