Nachtragsplan

Lärmaktionsplan Ballungsräume
Lärmaktionspläne sind auch für Ballungsräume aufzustellen. Ballungsräume sind Gebiete mit städtischem Charakter mit über 100000 Einwohnern. Betrachtet wird hier der Umgebungslärm, welcher von Straßenverkehr, Schienenverkehr, Flugverkehr sowie von Geländen von industriellen Tätigkeiten ausgeht. Wesentliche Aufgabe der Lärmaktionsplanung ist die Bewertung der Lärmsituation und die Formulierung von Maßnahmen, Konzepten und Strategien, die zur Lärmreduzierung beitragen und Lärmbelastungen entgegen wirken können.

Nachtragsplan
Die EU-Kommission hat die Bundesrepublik Deutschland wegen einer nicht vollständig durchgeführten Lärmaktionsplanung der 2. Stufe aufgefordert, einen Nachtragsplan zu erstellen. Das Bundesland Hessen ist hiervon in kleineren Teilaspekten betroffen. Die fehlenden Teile der Lärmaktionsplanung der 2. Stufe beziehen sich auf Lärm in den Ballungsräumen Darmstadt, Frankfurt/M., Offenbach und Wiesbaden, der von Geländen für industrielle Tätigkeiten und vom Eisenbahnverkehr ausgeht.

Schienenverkehr
Zuständige Behörde für die Aufstellung eines bundesweiten Lärmaktionsplans ist ab dem 1. Januar 2015 das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) für die Haupteisenbahnstrecken des Bundes (§ 47e Abs. 4 BImSchG). Das Eisenbahn-Bundesamt hat den bundesweiten Lärmaktionsplan im November 2015 veröffentlicht auf seiner Homepage unter folgender Adresse:
http://www.eba.bund.de/download/LAPmitAnhang.pdf
Die Lärmkartierung der 2. Stufe ist abrufbar auf der Internetseite des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) unter:
http://laermkartierung1.eisenbahn-bundesamt.de/mb3/app.php/application/eba#
Für die verbleibenden Eisenbahnstrecken in den Ballungsräumen ist im Regierungsbezirk Darmstadt das Regierungspräsidium Darmstadt zuständig. In diese Lärmaktionsplanung werden zunächst alle Eisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen ab 11250 Zügen/Jahr aufgenommen. Soweit diese Strecken bereits Gegenstand der Betrachtung in der Lärmaktionsplanung der 1. Stufe waren und sich der davon ausgehende Lärm nicht verändert hat, ist eine Überarbeitung nicht erforderlich (§ 47d Abs. 5 BImSchG). Ein Vergleich der Lärmkartierungen des EBA der 1. Stufe und der 2. Stufe für Haupteisenbahnstrecken zeigt folgende Veränderung der Anzahl der lärmbelasteten Personen im Bereich > 65 dB(A) tags und > 55 dB(A) nachts:


Darmstadt Abnahme um 16 % tags bzw. 21 % nachts
Frankfurt a.M.Zunahme um 14 % tags bzw. 12 % nachts
Offenbach Abnahme um 5 % tags bzw. 20 % nachts
Wiesbaden Abnahme um 8 % tags bzw. 5 % nachts


Im Nachtragsplan wird daher die Aussage getroffen werden, dass es in Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden an Haupteisenbahnstrecken keine neuen Lärmbetroffenen gibt und die Lärmkonflikte bereits in der ersten Stufe bewältigt worden sind.
Gleichwohl wird eine erneute Betrachtung dieser Strecken im Rahmen der 3. Stufe der Lärmaktionsplanung, welche ab Sommer 2017 durch das Eisenbahnbundesamt vorgenommen werden wird, erfolgen.
Neue Lärmbetroffene gibt es im Bereich der folgenden Eisenbahnstrecken, welche im Nachtragsplan dann ausführlich behandelt werden:

Darmstadt
- Odenwaldbahn von Darmstadt Hauptbahnhof bis Stadtgrenze
- Bahnstrecke nach Dieburg von Darmstadt Hauptbahnhof bis Stadtgrenze

Frankfurt a.M.
- Überprüfung der Haupteisenbahnstrecken samt Nebenstrecken

Offenbach
- Schallimmissionswerte der Nebenstrecken liegen unterhalb der Schwellenwerte der Lärmaktionsplanung

Wiesbaden
- Umgehungsbahn Mainz: Strecke von Kostheim bis Amöneburg zur Rheinbrücke (Nordbrücke)
- Ländchesbahn Strecke von Erbenheim über Igstadt und Auringen Richtung Niedernhausen

Straßenverkehr einschließlich Stadtbahnen
Die Lärmminderungsplanung der 2. Stufe an Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von über 3000 Kfz/Tag einschließlich der Stadtbahnen in Ballungsräumen wurde mit dem Lärmaktionsplan Hessen, Teilplan Straßenverkehr, vom 21. März 2016 für den gesamten Regierungsbezirk abgeschlossen.

Luftverkehr
Die Lärmminderungsplanung Fluglärm wurde mit dem Lärmaktionsplan Hessen, Teilplan Flughafen Frankfurt a.M., vom 5. Mai 2014 abgeschlossen.

IVU Anlagen
Die kartierten Industrieanlagen (IVU-Anlagen) sind auf Seite 55 bis 62 des technischen Abschlussberichts Umgebungslärmkartierung Hessen 2012 des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) aufgeführt. Link: http://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/laerm/laermkartierung/LKHE2012_E....
Die IVU-Anlagen in Offenbach wurden nachkartiert und können im Lärmviewer des HLNUG eingesehen werden. Die Anzahl der Personen, die industriell verursachtem Lärm größer oder gleich der Auslösewerte der Lärmaktionsplanung von 65/55 dB(A) (Tag/Nacht) ausgesetzt ist, beträgt in Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden gemäß der Tabelle 4-1-neu und 4-2-neu null Personen. In Frankfurt sind 116 bzw. 180 Personen angegeben. Die Anzahl an Lärmbetroffenen und insbesondere die Höhe Lärmimmissionen wurden durch das RP Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt Frankfurt/M. mit dem Ergebnis überprüft, dass im Bereich der an Industrieanlagen angrenzenden Wohngebiete die jeweils zulässigen Immissionsrichtwerte nach Ziffer 6.1/6.2 TA Lärm eingehalten werden. Dies ist aus den einschlägigen Zulassungs- und Überwachungsverfahren bekannt. Diese Immissionsrichtwerte der TA Lärm liegen deutlich unterhalb der Schwellenwerte der Lärmaktionsplanung.
Im Nachtragsplan wird daher die Aussage getroffen werden, dass es in allen hessischen Ballungsräumen keine Betroffenen gibt, die Lärmimmissionen, ausgehend von IVU-Anlagen ausgesetzt sind, die die Auslösewerte der Lärmaktionsplanung von LDEN > 65 dB(A) und LNight > 55 dB(A) überschreiten.

Beteiligung der Öffentlichkeit
Bei der Aufstellung von Lärmaktionsplänen für Hessen können Sie sich aktiv durch Ihre Mitwirkung beteiligen. Sie können uns Informationen zu Lärmschwerpunkten und Vorschläge zu lärmmindernden Maßnahmen an den oben genannten Lärmschwerpunkten geben.
Die Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgt in zwei Stufen. Die Erste erfolgte zu Beginn der Entwurfsaufstellung vom 9. Januar bis 19. Februar 2017.
Die im Rahmen der 1. Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangenen Anregungen  und Vorschläge zu Lärmminderungsmaßnahmen durch die Öffentlichkeit wurden einer rechtliclhen und fachlichen Prüfung unter Berücksichtigung der sich aus der Lärmkartierung ergebenden Belastetenzahlen unterzogen. Hieraus wurden konkrete Lärmminderungsmaßnahmen unter Einbeziehung der Fachbehörden (z. B. EBA) entwickelt. Die Ergebnisse wurden in einem Entwurf des Lärmaktionsplans zusammengefasst und werden der Öffentlichkeit ab dem 29. Mai zur Stellungnahme vorgestellt.
Der Entwurf des Lärmaktionsplans Hessen - Nachtragsplan kann unten eingesehen oder heruntergeladen werden.
Vom 29. Mai bis zum 29. Juni 2017 wird der Entwurf in Papierform beim Regierungspräsidium Darmstadt (Raum 3.03, Wilhelminenstraße 1-3, 64283 Darmstadt) ausgelegt.
Zu dem Entwurf des Lärmaktionsplans Hessen - Nachtragsplan können bis zum 14. Juli 2017 Stellungnahmen eingereicht werden. Stellungnahmen können schriftlich oder per Brief oder E-Mail direkt an das Regierungspräsidium gesendet werden.
Nach Abschluss der Bewertung der eingegangenen Stellungnahem erfolgt die Bekanntmachung des aufgestellten Lärmaktionsplans Hessen - Nachtragsplan.

Hessen-Navigator

Wie können wir Ihnen helfen? Geben Sie einen Suchbegriff ein.