RP erweitert Naturschutzgebiet ‚Kammereckswiesen‘ in Langen

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Mehrere Personen in der Natur mit Schild in der Hand
Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (3. von rechts) mit Erstem Stadtrat Stefan Löbig (links daneben) und weiteren Projekt-Beteiligten.

Naturnahe Auenbereiche sind im Rhein-Main-Gebiet durch den zunehmenden Flächenbedarf sowie durch die intensive Landwirtschaft selten geworden. Im Süden von Langen gibt es noch kleine Auenbereiche mit einer hohen biologischen Vielfalt. Gleichzeitig lockt diese Vielfalt jedoch Menschen an, die dort Ihre Freizeit verbringen wollen. Auf Anregung der Stadt Langen hat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt deshalb nun die Verordnung für das Naturschutzgebiet ‚Kammereckswiesen‘ novelliert.

Das Naturschutzgebiet wurde um den Bereich ‚Schmale Wiesen und Belzbornwiesen‘ mit rund 25 Hektar auf eine Gesamtgröße von jetzt 53,4 Hektar erweitert – beinahe eine Verdoppelung der Fläche. Die Schutzgebietsverordnung wurde auch modernisiert, um den vorhanden Nutzungskonflikten und der damit verbundenen Gefährdung von Arten zu begegnen. So führt aktuell eine Vielzahl von Trampelpfaden mitten durch die schmalen Wiesen, die auch von Spaziergängern mit freilaufenden Hunden genutzt werden. Dies führt zur Ausweitung dieser Wege und beeinträchtigt das Mahdgut der Bewirtschafter.

Im Naturschutzgebiet dürfen die Wege nicht verlassen werden und Hunde müssen angeleint werden. Außerdem dürfen dort keine Düngemittel und Pestizide verwendet werden. Das Langener Forstamt wird die Erweiterungsflächen des Naturschutzgebietes noch durch entsprechende Schilder kennzeichnen. Dieses kümmert sich zusammen mit dem RP als Oberer Naturschutzbehörde um den Erhalt und die Entwicklung der Lebensräume und Arten in dem Gebiet. Nicht nur die Gehölzbestände sind hier wertvoll, sondern auch die Feucht- und Frischwiesen sowie die Röhrichtbestände. Viele Vogel-, Libellen- und Schmetterlingsarten finden hier einen idealen Lebensraum vor. Aber auch Amphibien und Reptilien wie die Ringelnatter sind hier zuhause.

Anlässlich einer Feierstunde vor Ort mit dem Ersten Stadtrat der Stadt Langen, Stefan Löbig, sowie Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde und der Naturschutzverbände machte Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid heute deutlich, dass solche Refugien für die Biodiversität unbedingt geschützt werden müssten. „Wir haben hier im Rhein-Main-Gebiet einen enormen Druck auf die Flächen, der die Artenvielfalt massiv bedroht“, sagte sie. Geschützte Flächen wie diese würden mehr denn je gebraucht. Lindscheid bedankte sich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit im Sinne des Natur- und Artenschutzes.

Erster Stadtrat Stefan Löbig betonte, die Entscheidung des Regierungspräsidiums sei ein großer Gewinn für die Natur. Das Gebiet sei Lebensraum für wirklich seltene und schützenswerte Exemplare. Zu ihnen zählten die Sumpfdotterblume, die Waldbinse, die Prachtnelke, das Knabenkraut, das Braunkehlchen oder der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

Löbig erinnerte daran, dass schon 1982 die Kammereckswiesen unter Schutz gestellt wurden. 2009 kamen die Herchwiesen hinzu. Zusammen mit den jetzt angebundenen Schmalen Wiesen und Belzbornwiesen wird nun eine Fläche vor Eingriffen verschont, die der Größe von 75 Fußballfeldern entspricht. Das längliche Feuchtwiesenband beginnt westlich des Wohngebiets Loh, gabelt sich dann und ragt im Osten heran bis ans Neubauviertel Belzborn und weiter südlich bis an die Egelsbacher Straße. Dazwischen liegen Felder und weiteres Grünland.

Feucht- und Nasswiesen genießen mittlerweile Seltenheitswert, weil die meisten entwässert wurden. Die Areale in Langen sind obendrein nährstoffarm und werden selten gemäht, um eine Verbuschung zu vermeiden. Mit ihren Röhricht-Beständen beherbergen sie eine Vielzahl seltener Pflanzen- und Tierarten. Dazu zählen Nelken, Seggen und Orchideen genauso wie zahlreiche Vögel, Amphibien, Reptilien, Spinnen und Insekten.

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