AMS-Fachtagung

„Sicherheit und Gesundheitsschutz managen – neue Herausforderungen, neue Lösungswege für Unternehmen“

Fachtagung

„Sicherheit und Gesundheitsschutz managen – neue Herausforderungen, neue Lösungswege für Unternehmen“

Eine Veranstaltung des Regierungspräsidiums Gießen in Kooperation mit dem Hessischen Sozialministerium, der Technischen Hochschule Mittelhessen und dem DGUV Landesverband Mitte

Hintergrund

Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) ist eine auf Dauer angelegte konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Unfallversicherungsträgern zur Stärkung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Im Zeitraum 2013 – 2018 wird bei den gemeinsamen Präventionsaktivitäten der GDA-Träger der Fokus auf die Verbesserung der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes gerückt. Ziel ist die wirksame und nachhaltige Integration von Gesundheit und Sicherheit in die bestehenden betrieblichen Strukturen. In diesem Rahmen soll insbesondere auch die Anwendung von Arbeitsschutzmanagementsystemen in Betrieben gefördert werden. Die Fachtagung ist zugleich ein konkreter Beitrag hierzu, als auch der Auftakt der hessischen Aktivitäten im GDA-Programm „Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes in Hessen“.

Warum AMS?

Eine betriebliche Arbeitsschutzorganisation ist dann wirksam, wenn Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten selbstverständlicher Bestandteil betrieblicher Prozesse und Entscheidungen sind, sie also in die betrieblichen Organisationsstrukturen integriert werden. Ein betriebliches Managementsystem ist zweifellos das effektivste Instrument, Arbeitsschutz planmäßig, zielorientiert und systematisch in die betriebliche Gesamtorganisation zu integrieren, dies in geeigneter Weise zu dokumentieren und im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zu pflegen und weiter zu entwickeln.

Arbeitsschutzmanagementsysteme, kurz AMS, sind darauf ausgerichtet, Arbeitsschutzziele zu formulieren und zu erreichen. Dies dient sowohl der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten, als auch der Leistungsfähigkeit und damit der Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Darüber hinaus werden sichtbare Zeichen gesetzt, die deutlich machen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Betriebes wertgeschätzt werden und eingebunden sind. Nicht zuletzt verschafft ein AMS zusätzliche Rechtssicherheit im Unternehmen.

Neue Herausforderungen

Die betrieblichen Gegebenheiten sind heute in besonderem Maße durch permanente Veränderungsprozesse geprägt. Diese beschränken sich nicht nur auf das Kerngeschäft und die Produkte, sondern sind oft mit weitgehenden Eingriffen in die betrieblichen Strukturen verbunden (Restrukturierungen). Restrukturierungen stellen bestehende Strukturen und Routinen in Frage und verändern sie. Typische Formen betreffen die internen Arbeits- und Entscheidungsprozesse, Standortverlagerungen, Abwanderungen, Ausgliederung einzelner Funktionseinheiten, Fusionen oder Übernahmen. In inhabergeführten Unternehmen haben Änderungen der Eigentümer oft ebenfalls gravierende Folgen für die betreffenden Organisationen und die jeweilige Führungskultur. Der betriebliche Arbeitsschutz bleibt dabei oft auf der Strecke.

Neue Herausforderungen entstehen aber auch mit der Verbreitung neuer Technologien. Erneuerbare-Energien-Anlagen sind derzeit auf dem Vormarsch. Systematische Betrachtungen von der Planung bis zur Stilllegung lassen sich hier, wie auch in Betrieben mit sicherheitsrelevanten Anlagen nicht mehr wegdenken.

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel sind weitere Herausforderungen, denen sich Unternehmen in Zukunft verstärkt stellen müssen. Arbeitsbedingungen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten müssen kritisch auf den Prüfstand gestellt werden, um als Unternehmen am Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähig bleiben zu können.

Tagungsablauf - Kurzbeschreibung

Der Vormittag der Fachtagung beleuchtete das Thema „Managen von Sicherheit und Gesundheit“ unter inhaltlichen und unter rechtlichen Aspekten.

Nach der Begrüßung durch Dr. Lars Witteck und durch Prof. Dr. Klaus Behler (Vizepräsident der THM) führten Dr. Bernhard Brückner und Andrea Krönung (Hessisches Sozialministerium) in das ein. Dr. Brückner erläuterte aktuelle Entwicklungen in der hessischen und in der bundesweiten Arbeitsschutzpolitik sowie in der Normungdiskussion. Andrea Krönung gab einen Ausblick auf die Arbeitsschutzaktivitäten des staatlichen Arbeitsschutzes und der Unfallversicherungsträger im aktuellen GDA-Programm „Verbesserung der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes“.

Prof. Dr. Stefan Mensler ging in seinem anschließenden Vortrag „Was Arbeitgeber und Führungskräfte wissen sollten…-Verantwortung und Haftung im betrieblichen Arbeitsschutz“ auf die praktische Bedeutung des „Managens von Sicherheit und Gesundheit“ ein. Er erläuterte anhand zahlreicher Beispiele die Konsequenzne und möglichen Rechtsfolgen von Organisationslücken im betrieblichen Arbeitsschutz.

Prof. Dr. Thomas Steffens (Technische Hochschule Mittelhessen) betrachtete in seinem Vortrag „Betrieblicher Arbeitsschutz in der Wertschöpfungskette“ betriebliche Prozesse und wie diese bei der Einrichtung von Arbeitsschutzmanagementsystemen in den Fokus rücken.

Im Podiumsgespräch „Unterschiedliche Ansprüche, unterschiedliche Lösungen – AMS Konzepte im Vergleich“ stellten Andreas Ritter (DQS GmbH), Peter Hissnauer (DAkkS), Manfred Böhler (BGHM) und Dr. Bernhard Brückner (HSM) verschiedene der derzeit gängigen AMS-Konzepte (OHSAS 18001, „sicher mit system“, SCC, NLF mit ASCA-Leitfaden AMS) vor. Die unterschiedlichen Einsatzbereiche sowie weitere Merkmale wurden gegenübergestellt und im anschließenden Gespräch vertieft.

Foren am Nachmittag

In drei thematischen Foren wurden am Nachmittag konkrete praktische Erfahrungen und Problemlösungen erörtert. Handlungsansätze wurden in Vorträgen aufgezeigt und im Anschluss diskutiert. Dabei standen insbesondere neue Lösungswege im Vordergrund.

Forum 1 AMS in der Praxis – Betriebliche Umsetzung und Beispiele für einen nachhaltigen Arbeitsschutz

Veränderungen betrieblicher Prozesse – wie die des Arbeitsschutzes – bedürfen um wirksam zu bleiben einer Anpassung und ständigen Fortentwicklung.

Die bewusste und planmäßige Integration des Arbeitsschutzes in die betrieblichen Prozesse durch ein AMS ist dabei eine entscheidende Voraussetzung, arbeitsschutzrelevante Abläufe und Funktionsweisen auch bei Umstrukturierungsmaßnahmen dauerhaft und wirksam aufrecht zu erhalten.

In ihrem Vortrag „Arbeitsschutz nachhaltig im Unternehmen sichern“ gab Michèle Wachkamp einen Erfahrungsbericht aus ASCA-AMS-Einführungsprojekten und weiteren Aktivitäten des Fachzentrums für systemischen Arbeitsschutz und Arbeitsgestaltung. Es wurden Schlüsselfaktoren für eine nachhaltige Sicherung des Arbeitsschutzes anhand von Beispielen guter Praxis und von erfolgskritischen Momenten dargelegt.

Heinz-Martin Münch erläuterte in seinem Vortrag, wie die Firma Alexander Binzel Schweisstechnik GmbH & Co. KG bereits in 1995 Arbeitsschutz nachhaltig in das bestehende Qualitätsmanagementsystem integriert und seitdem weiterentwickelt hat. Anhand der Dokumentationsstruktur erläuterte er den intensiven Integrationsprozess, der einer ständigen Fortführung unterliegt.

Emanuel Beerheide (LIA NRW) betrachtete im dritten Vortrag „Restrukturierungsprozesse in Unternehmen und Gesundheitsschutz“ Auswirkungen von Restrukturierungsprozessen sowohl in Hinblick auf den betrieblichen Gesundheitsschutz als auch auf die Organisation des Arbeitsschutzes. Er gab im Anschluss Hinweise auf betriebliche Gestaltungsoptionen, aber auch auf Gestaltungsrestriktionen, die in Restrukturierungsprozessen hinreichend berücksichtigt werden müssen.

Forum 2 AMS und Sicherheitsmanagement bei der Anlagensicherheit

In Forum 2 wurden Aspekte der Anlagensicherheit und Systemansätze im sicherheitstechnischen Bereich näher beleuchtet. Dabei standen die Erneuerbaren-Energien-Anlagen im Vordergrund, wobei die Betrachtungen auch auf andere Anlagentypen übertragen wurden.

Josef K. Ziegler (ARGE Biogas safety first) ging in seinem Vortrag auf die Wechselwirkungen von Technik und Organisation ein und erläuterte konkrete Anforderungen an die betriebliche Organisation in Biogasanlagen anhand einer Arbeitshilfe des Fachverbandes Biogas e.V..

Dr. Andreas Grimmeiß von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie BGRCI berichtete in seinem Vortrag darüber, wie der Einsatz von Fremdfirmen sicher gestaltet werden kann und welche Anforderungen sich an Instandhaltungsprozesse unter Arbeitsschutzgesichtspunkten ergeben.

Klaus Epe (epe-consulting) gab einen Einblick in die Gestaltung eines betrieblichen Brandschutzmanagements und erläuterte Aspekte eines ganzheitlichen Systemansatzes unter Einbindung von Technik, Organisation und Management.

Forum 3 Gesundheitsmanagement vor dem Hintergrund von Demographie und Fachkräftemangel

Alternde Belegschaften und Fachkräftemangel bei gleichbleibend hohen Anforderungen stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Gesundheit und Gesunderhaltung jedes Einzelnen erlangen neue Bedeutung. Mit AMS lassen sich Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsschutzes und Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung zielgerichtet planen und umsetzen. Forum 3 zeigte das Ausmaß der Problemlage und konkrete Handlungsansätze aus der Praxis auf.

Jörg Hentrich (RKW-Kompetenzzentrum) erläuterte in seinem Vortrag strategische Ansatzpunkte für eine demographiefeste Arbeit aus dem Verbund-Projekt Stradewari. Das Projekt ging der Frage nach, wie Unternehmen mit alternden Belegschaften innovativ und effizient und somit konkurrenzfähig bleiben können. Der Referent berichtete über Praxisbeispiele aus vier beteiligten Unternehmen. Judith Hennemann von Continental Teves AG & Co. OHG berichtete im Vortrag als Vertreterin aus einem der am Projekt beteiligten Unternehmen über die praktische Umsetzung im Betrieb.

Prof. Dr. med Th. Weber (Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken GmbH) ging in seinem Vortrag „Gesundheitsmanagement wirksam in Betrieb integrieren“ auf Inhalte eines Gesundheitsmanagements, die Verknüpfung von Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung sowie auf Aspekte der Präventionskultur und Gesundheitskompetenz ein und erläuterte die Schritte zu einem gelebten Gesundheitsmanagement.

Nadja Gabriel (Schunk GmbH) berichtete in ihrem Vortrag unter dem Titel „Wege beschreiten und Akteure einbinden“ über die Umsetzung eines Gesundheitsmanagements in der Firma Schunk GmbH.

Ausstellung

Zwischen den Vorträgen bot sich Gelegenheit, die begleitende Posterausstellung zu besuchen oder online den neuen GDA-ORGA-Check, ein Anwendungstool der kommenden GDA-Periode für Klein- und Mittelbetriebe, kennenzulernen.

Ausführliche Tagungsinformationen werden folgen.

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