Pressemitteilung zur Fachveranstaltung "Psychische Belastungen bei der Arbeit" am 18.11.2015

Darmstadt (rp) - 25.11.2015 - PRESSEMITTEILUNG

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz - RP informiert und diskutiert über steigende Anforderungen im Berufsleben- Regionale Unternehmen stellen Strategien zur Prävention vor
Das Regierungspräsidium Darmstadt hat kürzlich eine Fachtagung zum Thema „Psychische Belastungen bei der Arbeit - Erkennen, Beurteilen, Handeln" veranstaltet. Mehr als 130 betriebliche Vertreter, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Berater, Betriebsärzte und Arbeitnehmervertreter fanden den Weg in den großen Vortragssaal des Wilhelminenhaus.

Der Leiter der Darmstädter Abteilung für Arbeitsschutz und Umwelt, Rainer Fuchs, begrüßte die Teilnehmer und wies auf die hohe Bedeutung des Themas hin: „ In der heutigen Zeit wird die Arbeitswelt auf allen Ebenen immer komplexer. Es ist daher wichtig, dass wir die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz frühzeitig erkennen und wirkungsvoll gegensteuern", so der Abteilungsleiter.
Bettina Splittgerber, Leiterin des Referates für Arbeitsschutzpolitik und menschengerechte Arbeitsgestaltung im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, befördert seit Jahren die Auseinandersetzung mit psychischen Belastungen am Arbeitsplatz auf Landes- und Bundesebene. Sie sprach zu den aktuellen Entwicklungen: „In den letzten Jahrzehnten hat die Arbeitswelt einen massiven Wandel erlebt. Weitreichende Veränderungen – wie etwa die Globalisierung der Wirtschaft und die Schnelllebigkeit der modernen Gesellschaft – haben die Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse der Beschäftigten enorm beeinflusst."

Lange Arbeitszeiten, Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit, hohe Flexibilität – all dies sind Kennzeichen der modernen Arbeitswelt. Ob diese Anforderungen als Ansporn und Chance erlebt werden, oder ob sie zu Erkrankungen und Leistungsbeeinträchtigungen führen, hängt unter anderem davon ab, wie im Betrieb – sowohl seitens der Führungskräfte als auch seitens der Beschäftigten – damit umgegangen wird. Und - es sind nicht nur die „Manager" die häufig unter psychischen Belastungen am Arbeitsplatz leiden. In großem Maße betroffen sind auch Arbeiter, die unter ständigem Zeitdruck stehen – und das bei immer gleichen Arbeitsabläufen und oftmals unsicheren Aussichten hinsichtlich ihrer Arbeitsplatzsicherheit.

Möglichkeiten, die steigenden Anforderungen des Arbeitsalltags zu bewältigen und was Betriebe in puncto Belastung wissen sollten, erläuterte Claudia Flake vom Fachzentrum des Regierungspräsidiums Gießen. Die Expertin für arbeitspsychologische Fragestellungen berät seit Jahren bei der Ermittlung von psychischen Belastungen. Sie stellte die Gründe dar, warum ein Mensch eine Situation als belastend empfindet. Dabei spielten sowohl private als auch arbeitsbedingte Faktoren eine Rolle. Auf Ursachen, die im privaten Bereich liegen, habe man nur wenig Einfluss. „Auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz aber muss der Arbeitgeber reagieren", lautete ihre klare Ansage. Ermitteln kann er diese anhand der sogenannten Gefährdungsbeurteilung – einem Regelkreis aus Gefährdungsermittlung, Beurteilung, Maßnahmenfestlegung, Wirksamkeitskontrolle und erneuter Beurteilung.

Starken Anklang fanden die Vorträge der Firmenvertreter, die ihren Umgang mit diesem sensiblen Thema in ihren Betrieben erläuterten. Drei regionale Unternehmen aus unterschiedlicher Branchen und Größenklassen haben verschiedene Strategien entwickelt und präsentierten ihre Vorgehensweise und Erfahrungen. Ein erster Schritt ist immer die zielgerichtete Befragung der Mitarbeiter, sei es über Fragebogenaktionen oder in Workshops. Wenn erst einmal die „belastenden Faktoren" ermittelt sind, gelang es in allen geschilderten Fällen gemeinsam – und das ist wesentlich - mit den Mitarbeitern Lösungen zu finden und Maßnahmen festzulegen. Wurden beispielweise schadhaftes Arbeitsmaterial, lange Transportwege und mangelnde Kommunikation als belastend herausgearbeitet, konnte eine Umstellung von Laufbandherstellung auf eine Fertigung in Form von Insellösungen zu einer deutlichen Arbeitsplatzzufriedenheit führen. Gute Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und Mitwirkung der Beschäftigten bei der Problemlösung wurden als Schlüsselbegriffe benannt, die letztendlich – so berichtete ein großes Produktionsunternehmen – zu einem Rückgang der Krankheitsfälle, einer positiven Entwicklung der Unfallstatistik und besseren Ergebnissen in den Befragungen über die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz führten.

Im Ergebnis hat der Erfahrungsaustausch gezeigt, dass die Herangehensweise in den Betrieben sehr unterschiedlich sein kann. Dass es sich aber in jedem Fall lohnt, für sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen einzutreten.
Die lebhaften Diskussionen machten auch deutlich, dass das Regierungspräsidium Darmstadt mit dieser Fachtagung den Geist der Zeit getroffen hat und die Teilnehmer wertvolle Informationen und Anregungen mitnehmen konnten.
Hintergrund:
Rechtsgrundlage für die Beurteilung psychischer Gefährdungen bildet das Arbeitsschutzgesetz, welches seit 1996 Arbeitgeber verpflichtet, die Gefährdungen für alle Arbeitsplätze und Tätigkeiten im Unternehmen zu beurteilen und die Arbeitsschutz-Maßnahmen danach auszurichten. Im Jahr 2013 wurde die gesetzliche Bestimmung dahingehend konkretisiert, dass auch psychische Belastungen zu berücksichtigen sind.
Welche Auswirkungen steigende Anforderungen im Berufsleben haben, ist durch Zahlen belegt. Laut Stressreport Deutschland 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) registrierten im Jahr 2011 Deutschlands Krankenkassen 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren. Der Report beziffert die dadurch bedingten jährliche Produktionsausfallkosten auf sechs Milliarden Euro.

Vorträge:

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