Äsche

Aktuelle Situation und Handlungsbedarf

Der Verbreitungsschwerpunkt der Äsche liegt seit jeher vornehmlich in Mittel- und Nordhessen. In Südhessen ist die Art heute nur noch in den Einzugsgebieten der Mainzuflüsse Mümling, Sinn, Kinzig und Nidda vertreten, wo sie sich nicht zuletzt aufgrund bestandsstützender Maßnahmen halten konnte (HMUKLV & HESSEN-FORST FENA 2014). Insgesamt sind die Äschenbestände in Hessen in den vergangenen 20 Jahren drastisch zurückgegangen. Der 2007 noch als „günstig“ bewertete Erhaltungszustand der FFH-Anhang V-Art ging verloren, die Art steht in der Hessen-Ampel inzwischen auf „Gelb“. Auch nach der neuesten Roten Liste der Fische und Rundmäuler Hessens (DÜMPELMANN & KORTE 2013) gilt die Art als gefährdet.
Vor allem lange harte Winter mit einem hohen Prädationsdruck (Kormoran) führen hessenweit regelmäßig zu Bestandseinbrüchen. Neben der möglichen Optimierung der Gewässer im Hinblick auf stoffliche Belastungen, strukturelle Defizite sowie fischereiliche Bewirtschaftung ist daher fortwirkend der Frage nachzugehen, wie der Kormoraneinfluss auf die Äschenbestände vermindert werden kann.

Schutzmaßnahmen – was ist zu tun?

Die Äsche kann als FFH-Anhang V-Art unter bestimmten Bedingungen fischereilich genutzt werden. In Hessen bestehen gesetzliche Schonzeiten (01.03.-15.05.) und Mindestmaße (30 cm). Aufgrund der negativen Bestandsentwicklung verzichten viele Fischereiberechtigte mittlerweile freiwillig auf Fang und Entnahme.

Eine bewährte Maßnahme zur Stützung der Bestände ist die Zucht und Wiedereinsetzung von Nachkommen. Dadurch konnten im Regierungsbezirk Darmstadt die Äschen-Populationen an der Sinn, der oberen Nidda, der Mümling und der Kinzig bislang auf einem überlebensfähigen, wenn auch sehr sensiblen Niveau gehalten werden. An der hessischen Sinn und der Schmalen Sinn kooperiert das Regierungspräsidium Darmstadt seit gut 10 Jahren mit der örtlichen „Arbeitsgemeinschaft Sinntal – Gewässerökologie“ und fördert aus Mitteln der Fischereiabgabe das dortige Äschenschutzprojekt. Hierbei werden Elterntiere, sogenannte Laichfische, der Sinn entnommen, um unter kontrollierten Bedingungen in der Fischzucht Nachkommen zu produzieren. Diese werden schließlich als Jungfische wieder in die Entnahmegewässer zurückgesetzt. Von diesen jahrelangen Erfahrungen mit der Nachzucht von Äschen hessischer Abstammung profitieren auch die übrigen Projektbeteiligten.

Sachstand – Planung und Praxis

Die bestandsstützenden Besatzmaßnahmen wurden im Berichtszeitraum fortgesetzt und ausgeweitet. Seit 2014 besteht nun auch an der Mümling eine Kooperation zwischen der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft Mümling-Äsche und dem Regierungspräsidium Darmstadt. Die Maßnahmen an Nidda und Kinzig werden von lokalen Fischereivereinen sowie den ansässigen fischereilichen Interessengemeinschaften begleitet und unterstützt.

Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung hat die Obere Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt im Jahr 2014 erstmals einen Gewässerökologen mit der wissenschaftlichen Begleitung der Äschenprojekte im Regierungsbezirk Darmstadt beauftragt (BOBBE 2014). Seine Aufgabe besteht darin, weitere Ursachen für die Defizite der südhessischen Äschen-Populationen aufzuzeigen sowie art– und gewässerspezifische Vorschläge für eine nachhaltige Verbesserung der Rahmenbedingungen zu erarbeiten. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen der Realisierung weiterer Fischartenschutzprojekte in der sogenannten Äschenregion und können zusätzliche Synergien zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie ergeben.

Darüber hinaus beschäftigt sich eine vom Regierungspräsidium Darmstadt einberufene Arbeitsgruppe mit der Aufgabe, ein Maßnahmen- und Managementkonzept zur Minderung des Kormoran-Einflusses zu erarbeiten. Die Maßnahmen schließen sowohl letale als auch nicht letale Vergrämungsmaßnahmen ein. Hierbei besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Sinntal – Gewässerökologie, dem zuständigen Forstamt sowie der Bezirksregierung Unterfranken. Die rechtliche Basis bildet seit 2013 ein einheitlicher landesweiter Erlass zum Schutz der natürlich vorkommenden aquatischen Tierwelt und zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden durch den Kormoran (Kormoranerlass - vom 25. November 2013).

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