Aal

Ausgangslage und Handlungsbedarf

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) kam früher in allen großen hessischen Fließgewässern vor. Für die Fischerei an Rhein, Main, Neckar, Fulda und Weser war er schon immer wirtschaftlich von hoher Bedeutung. Bereits seit den 1970er Jahren wird jedoch europaweit ein enormer Bestandsrückgang verzeichnet, dessen Ursachen vielfältig sind. Nach heutigem Kenntnisstand sind unter Anderem folgende Faktoren für den Niedergang der Europäischen Aalbestände ursächlich:

  • Überfischung aufsteigender Glasaale an den Küsten
  • Verlust von Lebensräumen durch Gewässerverbau/Querbauwerke
  • Schädigung/Tötung abwandernder Blankaale durch Turbinen und/oder Rechenreiniger von Wasserkraftanlagen
  • Chemieunfälle (z. B. SANDOZ)
  • Anhaltende Verschmutzung der Gewässer mit PCB bzw. dioxinartigen Stoffen
  • Parasiten und Krankheiten (z. B. asiatischer Schwimmblasenwurm)
  • Veränderte Meeres-Strömungen
  • Berufs- und Angelfischerei im Inland
  • Prädationsdruck (z. B. Kormoran)


Eine objektive Gewichtung der verschiedenen Faktoren gestaltet sich wegen ihrer schieren Anzahl, der Ausdehnung des Untersuchungsraumes und aufgrund vorhandener Wissenslücken schwierig.

Schutzmaßnahmen - Was ist zu tun?

Im Jahr 2007 hat der Rat der Europäischen Union die Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 des Rates vom 18. September 2007 mit Maßnahmen zur Wiederaufüllung des Bestands des Europäischen Aals (EU-Aalverordnung) erlassen. Ziel der EU- Aalverordnung ist es, die durch menschliche Einflüsse bedingte Sterblichkeitsrate beim Europäischen Aal so weit zu verringern, dass mindestens 40 Prozent der ehemals vorhandenen Biomasse an Blankaalen (Abwanderstadium des Aals - gemessen an einem Referenzzustand) das Meer erreicht. Im ersten Schritt wurde für jede Flussgebietseinheit ein Aalbewirtschaftungsplan erstellt. Der Plan enthält Informationen zur Ausgangslage und zum Handlungsbedarf. Ferner enthält er Prognosen über die voraussichtliche Entwicklung der Aalbestände je Flussgebietseinheit.

Das Regierungspräsidium Darmstadt ist zuständig für die Evaluierung von Daten und die Umsetzung von Maßnahmen am hessischen Rheinabschnitt einschließlich der für hessisches Hoheitsgebiet gemeldeten Gewässer/Gewässerabschnitte von Main, Neckar, Lahn (Regierungsbezirk Mittelhessen), Nidda, Kinzig, Gersprenz und Weschnitz.

Im ersten Bearbeitungszyklus wurden verschiedene Regelungen der Landes-Fischereigesetze vereinheitlicht (Schonzeit, Schonmaß etc.). Ferner wurde der Handlungsbedarf im Hinblick auf die lineare Durchgängigkeit sowie den Aalschutz (z. B. an Wasserkraftanlagen) eruiert und aufgelistet. Die Umsetzung von konkreten Maßnahmen erfolgt in Einzelverfahren, da hier jeweils die rechtlichen Möglichkeiten eine Rolle spielen.

Ein weiterer wichtiger Punkt besteht in der Kenntnis darüber, wie die Vermarktungsketten für den Aal strukturiert sind. Daher ist jede Person/jeder Betrieb, der Aale innerhalb des Aaleinzugsgebietes erwerbsmäßig fängt und vermarktet bzw. mit ihnen handelt , verpflichtet sich als Aalfänger registrieren zu lassen und Aufzeichnungen aller Aalfänge im Aaleinzugsgebiet vorzunehmen. Die rechtliche Grundlage hierfür bilden die §§ 2 ff der Verordnung über die gute fachliche Praxis in der Fischerei und den Schutz der Fische (Hessisches Fischereiverordnung – HFO). Der Registrierungsantrag und Muster für Fangprotokolle finden sie im Navigationsbereich „Downloads & Formulare“ auf dieser Homepage.

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