Edelkrebs

Ausgangslage und Handlungsbedarf

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war der Edelkrebs (Astacus astacus) in Mitteleuropa weit verbreitet. Nach Ausbruch der so genannten „Krebspest“, einer Pilzerkrankung die von nichtheimischen Krebsen übertragen wird, brachen die Bestände jedoch ein. Heute gibt es im Regierungsbezirk Darmstadt nur noch wenige isolierte Populationen in den Fließgewässersystemen Gersprenz, Kinzig, Mümling und Weschnitz sowie in wenigen isolierten Teichanlagen. In vielen Fällen sind die Bestände nicht natürlichen Ursprungs, sondern gehen auf frühere Besatzmaßnahmen zurück. Es sind oft nur wenige hundert bis tausend Tiere in eng begrenzten Bereichen, so dass ein erhebliches Aussterberisiko besteht. Eine Rote Liste für die betreffende Artengruppe liegt in Hessen noch nicht vor. In Deutschland gilt die Art als vom Aussterben bedroht. Der Edelkrebs ist nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. Außerdem ist die Art im Anhang V der EU Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie)gelistet. Dementsprechend besteht nach dem Hessischen Fischereirecht ein ganzjähriges Fang- und Entnahmeverbot.

Schutzmaßnahmen – was ist zu tun?

Ein landesweites Artenhilfskonzept existiert noch nicht. Das landesweite Artgutachten (GIMPEL 2005) empfiehlt generell Maßnahmen zum Schutz vor einwandernden nichtheimischen Krebsarten, die als Überträger der Krebspest fungieren können, Verbesserungen der Gewässerstruktur und Wasserqualität und den Wiederbesatz mit ausgewählten Tieren aus dem entsprechenden Einzugsgebiet. Besatzmaßnahmen sollen grundsätzlich in Form mehrjähriger Projekte und in enger Abstimmung mit der Oberen Fischereibehörde erfolgen. Ein sehr wichtiges Thema ist die Seuchenhygiene. Um das Risiko einer unbeabsichtigten Übertragung der Krebspest zu minimieren, wird die regelmäßige Desinfektion von Angelgeräten und Watbekleidung vor Benutzung in Gewässern mit Edelkrebsbestand dringend empfohlen, dies gilt gleichermaßen für die Desinfektion von Baumaschinen und Arbeitsgeräten vor der Umsetzung von Unterhaltungs- und Baumaßnahmen.

Sachstand – Planung und Praxis

Die bisherigen Maßnahmen des Regierungspräsidiums Darmstadt konzentrierten sich auf die Sicherung eines größeren Bestandes, der 2009 in einem Naturschutzgebiet nördlich von Wiesbaden im Taunus entdeckt worden war. Hier musste das Heimatgewässer aufgrund eines undichten Dammes saniert werden. Aufgrund des außerordentlich hohen Bestandes wurde ein Teil der Tiere in ein geeignetes Gewässer umgesiedelt. Wesentliche Kriterien für die Auswahl des Besatzgewässers waren:

  • Kein Bestand von amerikanischen Signal- oder Kamberkrebsen;
  • Verzicht auf Fischbesatz, da mit dem Besatz der Erreger der Krebspest eingebracht werden könnte;
  • Möglichst geringer Bestand an Raubfischen, insbesondere Aal;
  • Möglichst isolierte Lage des Besatzgewässers;
  • Geeignete Gewässergüte und Gewässerstruktur.


Es ist vorgesehen, den Schutz des Edelkrebses in Südhessen weiter voran zu treiben. Dazu wird beim Regierungspräsidium Darmstadt ein Bewirtschaftungsplan erarbeitet, der die notwendigen Maßnahmen in Absprache mit den Beteiligten vor Ort festlegt. Flankierend dazu vergibt das Regierungspräsidium Darmstadt regelmäßig Untersuchungs- und Forschungsaufträge.

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