Schneider

Aktuelle Situation und Handlungsbedarf

In Hessen zählt der Schneider nach der aktuellen Roten Liste zu den gefährdeten Fischarten (DÜMPELMANN & KORTE 2013). Er unterliegt nicht der FFH-Richtlinie, ist aufgrund seiner Seltenheit aber nach dem Hessischen Fischereigesetz ganzjährig geschützt. Historisch galt der Schneider in Hessen als eine weit verbreitete Fischart der Barben- und Äschenregion, die gelegentlich bis in die unteren Forellenregionen vorkam. Selbst für Rhein und Main wurde die Art als „häufig“ oder „sehr häufig“ genannt (u.a. NAU 1787, OEHLER 1880, DOSCH 1899). Dann jedoch verschwand die Art, bis 2009 galt sie in Hessen mit Ausnahme einiger weniger Restvorkommen in Mittel- und Nordhessen als nahezu ausgestorben. Auch in Südhessen konnten nur noch vereinzelt Individuen nachgewiesen werden. Gründe für das Verschwinden dieser Art lagen vor allem in der stattgefundenen Gewässerverschmutzung, dem Verbau der Sohle und von Uferbereichen der Fließgewässer sowie dem Bau von Querbauwerken, die die Durchwanderbarkeit der Fließgewässer beeinträchtigten.

Grundsätzlich sind in einigen Gewässern Südhessens die ökologischen Bedingungen inzwischen wieder auf einem Niveau, welches das Vorkommen des Schneiders erlauben würde. Das beinahe flächendeckende Fehlen der Art verhindert jedoch gegenwärtig eine natürliche Wiederbesiedlung ehemaliger Lebensräume (BOBBE, KORTE & HENNINGS 2009). Daher hat sich das Regierungspräsidium Darmstadt für das aktive Wiedereinbringen der Art in geeignete Fließgewässerabschnitte entschieden, um den Schneider kurz- bis mittelfristig wieder in der Fläche heimisch zu machen.

Artenhilfsmaßnahmen – was wird getan?

Das Regierungspräsidium Darmstadt hat 2009 mit der Wiederansiedlung des Schneiders in Südhessen begonnen. Grundlage ist ein Artenhilfskonzept, das die Oberen Fischereibehörden der Regierungspräsidien 2006 gemeinsam erarbeitet haben (RP KASSEL, RP GIEßEN & RP DARMSTADT 2006). Bei der Suche nach potentiellen Besatzgewässern haben sich fünf Gewässersysteme als geeignet erwiesen: Nidda, Kinzig, Sinn, Finkenbach und Mümling. Besatztiere wurden in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe, der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd Neustadt a. d. W. sowie zahlreichen örtlichen Fischereivereinen rekrutiert und stammen aus Wildfängen aus rheinland-pfälzischen und baden-württembergischen Gewässern des Rheineinzugsgebiets. Der Besatzumfang liegt jeweils zwischen 100 und 650 Tieren.

Die erste Maßnahme fand 2009 mit der Entnahme aus der Nagold (Baden-Württemberg) und dem anschließenden Besatz in die Nidda bei Bad Vilbel statt (HMUKLV & HESSENFORST FENA (Hrsg.) 2014). Darauf folgten Besatzmaßnahmen an weiteren Zielgewässern:

  • Nidda bei Bad Vilbel (seit 2009)
  • Kinzig bei Wächtersbach (seit 2010)
  • Sinn bei Altengronau (seit 2012)
  • Mümling bei Bad König (seit 2013).


In sämtlichen Besatzgewässern werden jährlich Erfolgskontrollen durchgeführt und die Ergebnisse in Jahresberichten dargestellt (BOBBE, KORTE & HENNINGS 2009, BOBBE & KORTE 2010, 2011, BOBBE 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017).

Die bisherigen Ergebnisse des Wiederansiedlungsprojekts zeigen, dass sich die Art sehr gut in ihren Besatzgewässern etabliert und es auch zur Fortpflanzung kommt. In den kommenden Jahren wird es Aufgabe sein, die Bestandsentwicklung weiter durch ein Monitoring zu verfolgen und im Bedarfsfall mit bestandsstützenden Maßnahmen zu flankieren.

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