Steinkrebs

Ausgangslage und Handlungsbedarf

Wie viele andere heimische Arten ist auch der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) mehr oder weniger unbemerkt aus seinen Lebensräumen verschwunden. Einst besiedelte er die quellnahen Oberläufe der Flüsse und Bäche, wobei die Mainzuflüsse die nördliche Verbreitungsgrenze in Hessen ausmachten. Heute sind noch etwa 20 Populationen mit Schwerpunkten im Odenwald und im Taunus bekannt. Ursachen für den Bestandsrückgang liegen wie beim Edelkrebs unter anderem in dem Verlust naturnaher Bachläufe sowie dem Eintrag von Schadstoffen, Nährstoffen und Schwebstoffen. Eine massive Bedrohung stellen amerikanische Flusskrebse dar, die in der Vergangenheit unbedacht in einigen Bächen und Teichen ausgesetzt wurden. Sie können die Krebspest übertragen, sind selbst aber gegen den Erreger weitgehend immun. Damit besteht die Gefahr, dass die heimischen Arten vollends verdrängt werden. Eine Rote Liste für die betreffende Artengruppe in Hessen liegt noch nicht vor, deutschlandweit ist der Steinkrebs stark gefährdet, außerdem ist er im Anhang II der EU Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) als prioritäre Art gelistet. Nach dem hessischen Fischereirecht sind Fang und Entnahme ganzjährig verboten.

Schutzmaßnahmen – was ist zu tun?

Im Vordergrund praktischer Maßnahmen steht der Schutz der noch vorhandenen Steinkrebsvorkommen vor eventuell einwandernden amerikanischen Flusskrebsen. Ein landesweites Artenhilfskonzept existiert bisher nicht. Grundsätzliche Empfehlungen gibt das landesweite Artgutachten (GIMPEL 2005, 2007), das auf der Homepage von Hessen-Forst FENA zum Download bereitsteht. Ein sehr wichtiger Baustein zum erfolgreichen Schutz heimischer Krebsbestände ist die Seuchenhygiene. Um das Risiko einer unbeabsichtigten Übertragung der Krebspest zu minimieren, wird die regelmäßige Desinfektion von Angelgeräten und Watbekleidung vor Benutzung in Gewässern mit Steinkrebsbestand dringend empfohlen, dies gilt gleichermaßen für die Desinfektion von Baumaschinen und Arbeitsgeräten vor der Umsetzung von Unterhaltungs- und Baumaßnahmen in und an Gewässern mit Beständen heimischer Flusskrebse.

Sachstand – Planung und Praxis

Um gezielt vorgehen zu können ist es wichtig, die Bestände der jeweiligen Arten und eventuelle Kontaktbarrieren möglichst genau zu kennen. Hierzu waren und sind umfangreiche Untersuchungen zur Ausbreitung heimischer und nichtheimischer Krebse, Festlegungen über den Erhalt vorhandener Wanderbarrieren, Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume heimischer Krebse, Maßnahmen zur Bekämpfung nichtheimischer Krebse sowie fortlaufende Monitorings erforderlich.

Der Schwerpunkt praktischer Maßnahmen liegt bisher im gut untersuchten FFH-Gebiet 6318-307 „Oberlauf der Weschnitz und Nebenbäche“. Hier lässt das Regierungspräsidium Darmstadt im Rahmen eines Pilotprojektes seit 2008 nichtheimische amerikanische Flusskrebse an ausgewählten Gewässerabschnitten durch Reusen fangen und entnehmen.

Es handelt sich hierbei um nordamerikanische Signalkrebse, deren Bestand in der Weschnitz zu mindestens 25% mit der Krebspest durchseucht ist. Durch den intensiven Fang nichtheimischer Krebse soll der sogenannte Ausbreitungsdruck, der bei hohen Besiedlungsdichten herrscht, gelindert werden.

Da selbst mit Krebspest infizierte Signalkrebse schmackhaft und für den Menschen völlig unbedenklich sind, werden sie nach dem Fang kulinarisch verwertet. Einige örtliche Restaurants im Odenwald bieten sie auf ihrer Speisekarte an. Mit dem Faltblatt „Hessen hilft dem Steinkrebs“ informierte das Regierungspräsidium Darmstadt die Bevölkerung im oberen Weschnitztal über die Problematik und die Erfordernisse zum Schutz des Steinkrebses.

Weitere Maßnahmen wurden in den Oberläufen des Schwarzbaches und des Wickerbaches im Vordertaunus ergriffen. Auch hier sind die Steinkrebse durch aufwandernde Signalkrebse (Pacifastacus leniusculus) und einen bekannten Bestand Kamberkrebse (Orconectes limosus) latent gefährdet. Zum Schutz der heimischen Krebse wurde mit der Oberen Wasserbehörde des Regierungspräsidiums Darmstadt vereinbart, dass am Schwarzbach der vorgesehene Rückbau einiger Wanderhindernisse nicht erfolgen soll. Dort sollte im Rahmen der Umsetzung der EU Wasserrahmenrichtlinie für den Lachs, der im Schwarzbach wiederangesiedelt wird, eine lineare Durchgängigkeit bis in die Oberläufe der Gewässer geschaffen werden. Zur Lösung des Konflikts wurden bestimmte Nebengewässer als Vorranggewässer für den Lachs, andere wiederum als Vorranggewässer für den Steinkrebs festgelegt.

Auch in Zukunft wird sich das Regierungspräsidium Darmstadt für den Schutzheimischer Zehnfußkrebseeinsetzen und mit einem Bewirtschaftungsplan in Zusammenarbeit mit den örtlichen Akteuren die dazu notwendigen Festlegungen treffen. Aktuell werden Projekte an Mümling, Gersprenz und Schwarzbach/Ts. initiiert.

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