Maulbeeraue

Regierungspräsidium Darmstadt

Deutlich mehr Artenvielfalt in der Maulbeeraue

Die biologische Vielfalt in der Maulbeeraue hat sich in den vergangenen Jahren deutlich positiv entwickelt. Das zeigt die Hessische Biotop- und Lebensraumkartierung (HLBK), die im vergangenen Jahr im rund 419 Hektar großen NATURA-2000-Gebiet zwischen Lampertheim und Biblis durchgeführt wurde. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) bescheinigen dem Gebiet eine sehr hohe Schutzwürdigkeit – insbesondere aufgrund seiner artenreichen Stromtalwiesen.

Die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hat die unterschiedlichen Beteiligten zusammengebracht, verschiedene Maßnahmen initiiert und die Umsetzung fachlich und praktisch unterstützt. 

In der Maulbeeraue sieht man eindrucksvoll, dass erfolgreicher Naturschutz Teamarbeit ist.

Henriette Wache Mitarbeiterin im Naturschutz-Dezernat im RP Darmstadt

„Die Ergebnisse der Kartierung zeigen, dass gemeinsame Aktionen und ein abgestimmtes Schutzgebietsmanagement wirken“, sagt Henriette Wache vom zuständigen Naturschutz-Dezernat.

Dazu haben viele Beteiligte beigetragen. Seit 2015 wirbt das Amt für ländlichen Raum beim Kreis Bergstraße für freiwillige Agrarumweltvereinbarungen.Viele landwirtschaftliche Betriebe düngen ihre Wiesen deshalb inzwischen weniger oder gar nicht mehr. 2017 reicherte der NABU Bingen im Rahmen des Projekts „Lebensader Oberrhein“ eine Wiese mit Samen seltener Stromtalwiesenpflanzen an. 2022 folgten zwei weitere Flächen durch die Hessische Landgesellschaft (HLG). Beide Maßnahmen haben dazu beigetragen, artenreiche Wiesen zu entwickeln.

Maulbeeraue Wiese

Die aktuelle Kartierung macht außerdem die große Bedeutung von Schutzgebieten deutlich: Innerhalb der Schutzgebiete wurde eine wesentlich höhere biologische Vielfalt festgestellt als außerhalb. Dort wurden auch deutlich mehr wertvolle Biotope erfasst. „Die Ergebnisse sind eine erfreuliche Bestätigung unserer gemeinsamen Naturschutzarbeit“, sagt Henriette Wache. Sie zeigten, dass sich die Artenvielfalt in einem Gebiet deutlich verbessert, wenn Behörden, Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutzverbände an einem Strang ziehen.

Besonders wertvoll sind die Stromtalwiesen der Maulbeeraue. Sie nehmen aktuell knapp 20 Hektar ein, mehr als zehn Hektar davon wurden der besten Wertstufe zugeordnet. Die Lage in der Rheinaue, das ausgeprägte Mikrorelief mit Flutmulden und Flutrinnen und die weitgehend natürliche Überschwemmungsdynamik schaffen besondere Lebensbedingungen. Hier kommen zahlreiche seltene und gefährdete Pflanzenarten vor. Besonders hervorzuheben ist der Kanten-Lauch mit seinen duftenden rosa Blütenbüscheln. Auch die blütenreichen Straußampfer-Margeriten-Wiesen mit Wiesen-Margerite, Wiesen-Glockenblume, Straußampfer und Schafgarbe sind charakteristisch für die Maulbeeraue.

Auch die Sperrung der Maulbeeraue für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr, die gemeinsam mit der Stadt Lampertheim und der HLG erreicht wurde, entlastet die wertvollen Wiesen. Informationstafeln, die gemeinsam mit dem NABU Bingen, dem NABU Nordheim und der Gemeinde Biblis aufgestellt wurden, machen die besondere Bedeutung des Gebiets in der Bevölkerung bekannt. Bei der Deichmahd berücksichtigt der Staatliche Wasserbau beim RP Darmstadt zudem seltene Pflanzenarten und schafft so bessere Entwicklungsmöglichkeiten entlang der Deiche, unter anderem für die Orchidee Bocks-Riemenzunge.

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