Regierungspräsidium Darmstadt

Zuwässerung des Pfungstädter Moors wieder aufgenommen

Die Zuwässerung des Pfungstädter Moors ist am 20. Juli 2026 wieder aufgenommen worden. Zuvor hatte der Wasserverband Hessisches Ried (WHR) die technischen Anlagen erneuert und erweitert. Bei Bedarf kann dem rund 97 Hektar großen Natur- und EU-Vogelschutzgebiet nun aufbereitetes Oberflächenwasser aus dem Rheinwasseraufbereitungswerk Biebesheim zugeführt werden. Ziel ist es, wertvolle Bereiche des Niedermoores auch in trockenen Phasen feucht zu halten, moortypische Lebensräume zu erhalten und die Freisetzung von Kohlendioxid aus austrocknenden Torfböden zu begrenzen.

Das Vorhaben ist Teil eines freiwilligen Klimaschutzprojektes des Landes Hessen. Der WHR hat die technischen Maßnahmen im Auftrag des Landes Hessen geplant und umgesetzt. Die erforderlichen Investitionen wurden vom Land Hessen finanziert, das Regierungspräsidium Darmstadt hat das Projekt fachlich betreut und wird auch zukünftig federführend verantwortlich sein.

Ich freue mich, dass dieses wichtige Projekt nach einer langen Vorbereitungsphase jetzt an den Start gehen konnte. Mit der Zuwässerung können wir die besonders wertvollen Kernbereiche des Pfungstädter Moors auch während längerer Trockenphasen stabilisieren.

Prof. Dr. Jan Hilligardt Regierungspräsident
Darmstadt

Regierungspräsident Prof. Dr. Jan Hilligardt sagt „Die Wasserzuführung erfolgt kontrolliert anhand der aktuellen Grundwasserstände. Ein engmaschiges Monitoring stellt sicher, dass die Entwicklung des Wasserhaushalts fortlaufend beobachtet wird. Zukünftig sollen auch die Auswirkungen auf Flora und Fauna untersucht werden.“

„Wir haben unsere wasserwirtschaftliche und technische Erfahrung gerne in dieses besondere Naturschutzprojekt eingebracht“, erklärt WHR-Verbandsvorsteherin Elisabeth Jreisat. „Die Arbeiten in dem empfindlichen Moorgebiet erforderten viel Sorgfalt und eine enge Abstimmung aller Beteiligten. Nach Abschluss der Baumaßnahmen übernimmt der WHR nun den Betrieb der Anlage nach den Steuerungsvorgaben des Landes.“

Ein besonderer Lebensraum im Hessischen Ried

Das Pfungstädter Moor ist ein Niedermoor und auf ausreichend hohe Wasserstände angewiesen. Sinkt der Wasserstand über längere Zeit, können typische Feuchtlebensräume verloren gehen. Gleichzeitig beginnt trockener Torf, sich zu zersetzen. Dabei wird zuvor gebundener Kohlenstoff als Kohlendioxid freigesetzt.

Bereits von 1999 bis 2008 wurde dem Moor aufbereitetes Oberflächenwasser über das Beregnungsnetz des WHR zugeführt. Damals war zu erkennen, dass die Tier- und Pflanzenwelt nachweislich von der Zuwässerung profitiert. Die Wiederaufnahme der Zuwässerung geht auf eine Empfehlung des Runden Tisches zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried aus dem Jahr 2015 zurück. In den folgenden Jahren wurden die rechtlichen, finanziellen und technischen Voraussetzungen für die Erneuerung der Anlage geschaffen.

„Das Pfungstädter Moor ist für unsere Stadt ein besonderer Naturraum und ein wichtiger Rückzugsort für seltene Pflanzen und Tiere“, sagt Maximilian Schimmel, Bürgermeister der Stadt Pfungstadt. „Die Wiederaufnahme der Zuwässerung ist ein wichtiger Schritt, um diesen Lebensraum langfristig zu erhalten. Das Projekt zeigt zugleich, was durch die Zusammenarbeit von Naturschutz, Wasserwirtschaft, Behörden und Kommune erreicht werden kann.“

Anlagen erneuert und Betrieb digital überwacht

Die Bauarbeiten begannen Ende April 2025. Bestehende Anlagenteile wurden erneuert und die vorhandene Zuwässerung über eine Sickerleitung durch eine zusätzliche Leitung in das Rinnensystem des Moores ergänzt. Auch die für die Anlagensteuerung erforderlichen Grundwassermessstellen wurden instand gesetzt und mit automatischen Messsystemen ausgestattet. Die ermittelten Wasserstände werden digital an das Regierungspräsidium Darmstadt übertragen.

Die Arbeiten mussten besonders boden- und naturschonend ausgeführt werden. Eine zusätzliche Herausforderung waren die Schutzmaßnahmen aufgrund der Afrikanischen Schweinepest. Das Gebiet war im September 2024 als Hotspot eingestuft und großflächig eingezäunt worden. Die Arbeitsabläufe wurden deshalb eng zwischen dem WHR, dem Regierungspräsidium Darmstadt, den zuständigen Landes- und Kreisbehörden, HessenForst, der Stadt Pfungstadt und weiteren Beteiligten abgestimmt.

Wann und in welchem Umfang Wasser zugeführt wird, richtet sich nach den Vorgaben des Wasserrechtsbescheides und den Grundwasserständen an festgelegten Messstellen. Die Zuwässerung konzentriert sich auf den Kernbereich des Moores. Definierte Abschaltkriterien schützen zugleich die benachbarte ehemalige Deponie und landwirtschaftlich genutzte Flächen vor unerwünschten Vernässungen.

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