Sieben Personen stehen nebeneinander vor Bachlauf mit grünen Stellen

Regierungspräsidium Darmstadt

Für KI-gestützte Fischerfassung an Nidda-Unterwasserkamera

Regierungspräsident übergibt Förderbescheid an Angelsportverein in Bad Vilbel

Regierungspräsident Prof. Dr. Jan Hilligardt hat gestern Nachmittag am Nidda-Ufer in Bad Vilbel einen Förderbescheid über knapp 12.000 Euro an Marco Weller, den Vorsitzenden des Angelsportvereins Bad Vilbel, übergeben. Dank der Mittel aus der Fischereiabgabe des Landes Hessen kann der Fischbestand dort künftig mittels KI erfasst werden. Im vergangenen Jahr hatte die Gerty-Strohm-Stiftung eine Unterwasserkamera bereitgestellt, die das Geschehen rund um die Uhr erfasst.

Bisher mussten die Videosequenzen mühsam durch Fachkundige ausgewertet werden. Künftig erfasst eine KI die Tiere nach Art, Länge und Schwimmrichtung, versieht die Bilder mit Zeitstempeln und legt die Informationen in einer Datenbank ab; den Strom hierfür zahlt die Stadt Bad Vilbel. Marco Weller vom Angelsportverein und Gewässerökologe Gottfried Lehr freuen sich: „Wir werden nun noch mehr über ‚unseren' Fluss und seine Bewohner lernen, Wanderungen noch besser verstehen und somit den gesetzlichen Auftrag der Hege noch besser umsetzen können.“

Die generierten Daten sollen aber nicht nur vom Verein genutzt werden, sondern allen interessierten Behörden und Institutionen zur Verfügung stehen, die sich mit Fragestellungen rund um aquatische Ökosysteme beschäftigen. „Wir wollen beispielsweise mit der Sektion Flussökosystem-Management der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zusammenarbeiten“, erläutert Gottfried Lehr.

Der Fördersatz des Landes Hessen für die KI-Erweiterung der Kamera liegt bei 80 Prozent; den übrigen Teil trägt die Gerty-Strohm-Stiftung. Diese hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Millionen Euro an Stiftungsgeldern für die Renaturierung der Nidda zur Verfügung gestellt. Ohne diese Investitionen wären der Fluss und sein Fischbestand in Bad Vilbel heute bei Weitem nicht so naturnah.

„Mein großer Dank gilt auch der Stiftung“, so Regierungspräsident Hilligardt, der im Rahmen des Termins mit Stiftungsvorstand Dr. Hansgeorg Jehner und Ökologe Gottfried Lehr noch verschiedene, renaturierte Gewässerabschnitte der Nidda besichtigte. Es sei ihm eine große Freude, ein Projekt wie dieses aus Mitteln der hessischen Fischereiabgabe mitfördern zu können. „Besonders, wenn hierdurch die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Wissenschaft verstärkt wird und gleichzeitig alle Menschen die Möglichkeit erhalten, die Welt unter der Wasseroberfläche der Nidda näher kennenzulernen.“ Der Angelsportverein betreibe vorbildlichen Gewässerschutz.

Die bisherigen Beobachtungen am Kamerastandort in Bad Vilbel zeigen, dass sich überwiegend heimische Arten wie Barben, Nasen, Schneider, Hasel, Döbel, Rotaugen und Bitterlinge dort in der Nidda tummeln, wie sie in dem Gewässerabschnitt typischerweise vorhanden sein sollten. Wer sich der Nidda persönlich annähern möchte, kann im Café Wewe auf der Bibliotheksbrücke in Bad Vilbel auf zwei großen Bildschirmen dem emsigen Treiben unter der Wasseroberfläche zuschauen. Der Live-Stream ist auch per Internet jederzeit einsehbar.

Hintergrund

Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt verwaltet als Obere Fischereibehörde des Landes Hessen die Mittel aus der Fischereiabgabe. Diese müssen Angelnde entrichten, die Inhaber eines Hessischen Fischereischeins sind. Das Geld ist gesetzlich zweckgebunden und muss der Förderung des Fischereiwesens in Hessen dienen.

Die im Hessischen Fischereigesetz verankerte Pflicht zur Hege der Nidda auf dem Gebiet der Stadt Bad Vilbel obliegt dem Angelsportverein Bad Vilbel als Pächter. Ziele der Hege sind der Aufbau und die Erhaltung eines der Größe und Beschaffenheit des Gewässers entsprechenden heimischen Bestandes.

Die zurückliegenden, von der Gerty-Strohm-Stiftung finanzierten Renaturierungen an der Nidda leisten einen wichtigen Beitrag für den Natur- und Arterhalt in der Region sowie die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

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