Ein zentrales Element des Projekts ist die abschnittsweise Rückverlegung der Deiche. Dadurch entsteht zusätzlicher Retentionsraum, der bei Hochwasser zur Verfügung steht. Das Rückhaltevolumen erhöht sich von rund 0,3 Millionen Kubikmetern im Bestand auf etwa zwei Millionen Kubikmeter. Damit wird ein zusätzlicher Retentionsraum von rund 1,7 Millionen Kubikmetern geschaffen – ein erheblicher Gewinn für den Hochwasserschutz und Sicherheit der Bevölkerung.
Zudem sollen mit dem Projekt die gewässerökologischen Verhältnisse an der Unteren Weschnitz verbessert werden. Die Weschnitz wurde in den 50er Jahren begradigt. Durch die Deichrückverlegung in einigen Abschnitten wird dem Gewässer wieder mehr Möglichkeit gegeben, damit sich strömungsarme und strömungsreiche Verhältnisse abwechseln können. Dies dient der Verbesserung des ökologischen und chemischen Zustands des Gewässers und der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Weiterhin sollen landschaftsökologische Zonen, die Förderung der Freizeitnutzung entlang des Lebensraum Weschnitz sowie die Minimierung der Einschränkungen für die dort tätigen landwirtschaftlichen Betriebe durch den neuen Trassenverlauf erhalten und geschaffen werden.
Der erste Bauabschnitt liegt im Bereich der Gemeinde Einhausen. Dort werden die Deiche erhöht und verstärkt, die Böschungen abgeflacht sowie ein durchgängiger Deichverteidigungsweg hergestellt. Im zweiten Bauabschnitt im Bereich Biblis stehen ebenfalls Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Fokus. Gleichzeitig beginnt hier die Renaturierung der Weschnitz durch die Rückverlegung der Deiche und die Schaffung eines breiten Gewässerentwicklungskorridors. Im mittleren Abschnitt des Projektgebiets ist eine großräumige Aufweitung der Weschnitz geplant. Hier entstehen neue Lebensräume durch Seitenarme, Inseln, Kiesbänke so-wie den gezielten Einbau von Totholz.
Die Bauarbeiten werden dabei möglichst umweltschonend durchgeführt; anfallende Erdmassen werden vollständig vor Ort wiederverwendet. Die Aufsicht über die Maßnahme liegt beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, ebenso das Projektmanagement, welches dem im Deichbau erfahrenen Dezernat Staatlicher Wasserbau übertragen wurde.
Hintergrund:
Das RP Darmstadt überwacht entlang von Rhein und Main insgesamt 167 Kilometer Deiche. Dieses System schützt in Südhessen rund 600.000 Menschen und Vermögenswerte in Milliardenhöhe. Das zuständige Dezernat Staatlicher Wasserbau im RP ist zum einen eine Verwaltungsbehörde, die die Aufgaben der Deichaufsicht wahrnimmt, zum anderen ist das Land Hessen selbst für einen Großteil der Deiche unterhaltungspflichtig.