Regierungspräsidium Darmstadt

Den Infektionserregern auf der Spur

RP koordiniert hessenweit Aufklärung lebensmittelbedingter Erkrankungen

Meistens beginnt es mit Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, und schnell wird klar: Ich habe mir wohl eine Lebensmittelinfektion eingefangen. Eine der Ursachen hierfür sind Bakterien wie Salmonellen oder Listerien. Seit einigen Jahren ist es möglich, die genetischen Verwandtschaftsbeziehungen dieser Keime mithilfe einer modernen Labormethode, der sogenannten Ganzgenomsequenzierung, zu bestimmen. Sobald zwei oder mehr Personen von genetisch demselben Erreger infiziert sind, sprechen die Behörden von einem „Cluster“ und die Suche nach der Ursache beginnt.

Im ersten Schritt erfolgt hierzu ein Abgleich mit den vorliegenden Untersuchungsergebnissen von Proben, die durch die Lebensmittelkontrollbehörden der hessischen Landkreise und kreisfreien Städte fortlaufend entlang der Lebensmittelkette und aus der Arbeitsumgebung von Lebensmittelbetrieben entnommen werden. Findet das Hessische Landeslabor hierin Krankheitserreger, so kann auch dort die Ganzgenomsequenzierung genutzt werden, um den genetischen Fingerabdruck der nachgewiesenen Keime zu ermitteln.

Beim Abgleich der Sequenzierungsdaten wird nach einem sogenannten „Match“ gesucht, also nach einer genetischen Übereinstimmung eines Keims aus einem Lebensmittel oder einem Lebensmittelbetrieb und von den Patienten eines Clusters. Dieses Match bildet den Ausgangspunkt für weitere Ermittlungen, um einen möglichen Zusammenhang zu erhärten oder zu entkräften. Mit viel Gespür und fachlicher Expertise können so die Lebensmittel oder deren Inverkehrbringer identifiziert werden, die den Ausgangspunkt eines Erkrankungsclusters bilden. Durch Maßnahmen der örtlichen Lebensmittelkontrollbehörden werden dann die Ursachen in den Betrieben beseitigt, gesundheitsschädliche Lebensmittel vom Markt genommen und weitere Erkrankungen verhindert. Im besten Fall wird ein aufkeimender Krankheitsausbruch hierdurch schon „im Keim“ erstickt.

Für die zwischenbehördliche Koordinierung dieser komplexen Ermittlungen ist seit gut einem halben Jahr die Task-Force Lebensmittelsicherheit beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hessenweit zuständig. Sie steht hierzu in ständigem Kontakt mit den übrigen 15 Bundesländern, den für die Lebensmittelüberwachung zuständigen kommunalen Kontrollbehörden in Hessen, dem Hessischen Landeslabor und dem Hessischen Landesamt für Gesundheit und Pflege. Als Koordinierungsstelle steuert die Task-Force den gesamten Informationsfluss zwischen den zahlreichen Akteuren und bewertet fortlaufend alle eingehenden Informationen und Daten zu allen relevanten Clustern. Im Falle auffälliger Spuren veranlasst sie Probenahmen in bestimmten Betrieben oder stößt weitere Ermittlungen zu verdächtigten Warenströmen an, um die Quellen von Lebensmittelinfektionen aufzuspüren und zu beseitigen.

Unsere Koordinierungsstelle beim RP Darmstadt spielt eine zentrale Rolle bei der modernen Aufklärung lebensmittelbedingter Erkrankungen und trägt so maßgeblich zu einem hohen Schutzniveau für die Verbraucherinnen und Verbraucher in Hessen bei

Prof. Dr. Jan Hilligardt Regierungspräsident
Darmstadt

Hintergrund

Die Task-Force Lebensmittelsicherheit ist eine Sondereinheit des Landes Hessen und besteht aus einem interdisziplinären Team spezialisierter Fachkräfte bei den drei hessischen Regierungspräsidien. Neben der Aufklärung lebensmittelbedingter Erkrankungen trägt sie auch durch ihre Funktion als Landeskontaktstelle in den europäischen Schnellwarnsystemen, spezielle Kontrollprogramme oder durch Fortbildungsangebote für das Kontrollpersonal zu einer nachhaltigen Stärkung des Verbraucherschutzes in Hessen bei.

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